Bildungsarbeit - Technische Universität München TUM
Learning from the roots
Ein Projekt für die St. Rupert Mayer School in Zimbabwe


Der Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e. V. suchte seit langem nach einer Möglichkeit mit der Förderung eines kulturellen und künstlerischen Projekts auch einen sozialen Beitrag zu leisen.
Bereits 2003 kamen auf Einladung des Lehrstuhls für Raumkunst und Lichtgestaltung und des VAH die finnischen Architekten Heikkinen und Komonen nach München an die TU um über ihre Erfahrungen mit einem ähnlichen Projekt in Guinea zu berichten. Es sind zeitgenössische Bauten in größter Bescheidenheit entstanden von hoher architektonischer, aber auch ethischer Qualität. Das Projekt wurde auf der Architekturbiennale in Venedig 2002 gezeigt.

Seit 2006 plant der Lehrstuhl für Raumkunst und Lichtgestaltung gemeinsam mit Entwurfsstudenten das Projekt einer Schulerweiterung. Die angehenden Architekten bekommen die Möglichkeit ihren Entwurf im Maßstab M 1: 1 als realen Beitrag eines kulturellen Austausches zu verwirklichen.

Im Frühjahr 2007 konnte mit dem ersten Bauabschnitt der Lehrerhäuser begonnen werden. Seitdem arbeiten die Studenten mehr als 12 Wochen auf der Baustelle in Zimbabwe mit: sie mauerten, betonierten, zimmerten, verputzten, und vor allem entwickelten sie das Projekt im Detail gemeinsam mit den Bauverantwortlichen vor Ort weiter. Entstanden sind zwei Lehrerhäuser, gemauerte Wasserspeicher, ein Basketballfeld und die Fundamente der Schule.

Die Idee
An den Randgebieten der Welt kann Architektur den Lebensraum von Menschen auf einfache Weise aufwerten und einen einprägsamen Ort in der Weite der Landschaft definieren. In einem Gebiet der Armut, wo die meisten Architekten der entfernten Hauptstadt niemals tätig werden, können Studenten der ersten Welt, von der dritten Welt lernen: die Herausforderung des Mangels, „doing more with less“ stellt die Herausforderung in unseren globalisierten Welt dar. Jede Linie die wir hier ziehen hat eine tiefer Bedeutung.

Das Engagement für diese Schule in Zimbabwe, Afrika, bietet dabei nicht nur jungen Afrikanern eine existentielle Chance, sondern fördert beidseitig die Auseinandersetzung mit den Werten anderer Kulturen.


Aus dem Gegebenen das Beste zu machen und weniger in Effekte und Äußerlichkeiten zu investieren als vielmehr in die gute Idee, in die klassischen Mittel der Baukunst seit alters her, nämlich in Wand und Licht entspricht einem universalen und in allen Kulturen gültigen Prinzip.

Der Ort
St. Ruperts liegt abgelegen im ländlichen Shonagebiet 250 km westlich der Hauptstadt Harare. Den Kern der katholischen Missionsstation bilden Kirche, Konvent und Krankenhaus, sowie zwei Schulen (Primary School und Secondary School). 600 Kinder müssen teilweise bis zu vier Stunden Schulweg am Tag zurücklegen. Die Schüler kommen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten und bei den meisten arbeiten die Eltern auf den umliegenden Farmen des kargen Landes. Ein Drittel der Kinder lebt als Aidswaisen bei Verwandten. Alle Kinder, egal welcher Religionszugehörigkeit, dürfen die Schule besuchen, das geringe Schulgeld aufzubringen, ist für die Familien auf Grund der wirtschaftlichen Situation schwierig.

Das Projekt: Schulerweiterung und neue Lehrerhäuser
Der dritte Lehrer ist der Raum, sagt ein Sprichwort, und wenn Räume tatsächlich Lernvermögen und Lernverhalten beeinflussen, dann ist es auch die Aufgabe der Architekten Wissen zu fördern.
Die drei bestehenden, gereihten Baukörper mit je zwei Klassenzimmer, sollen zusammen mit der neuen Maßnahmen aus ihrer additiven Beliebigkeit geholt und zu einem klar definierten, räumlichen Gesamtkomplex vereint werden. Das neue Gebäude öffnet sich mit großen Durchlässen zur bestehenden Gebäudestruktur, und integriert zwei Klassenzimmer und jeweils dazugehörige Freiluftterrassen unter einem großen Dach. Ein Lehrerzimmer, eine Bibliothek und ein Computerraum ergänzen das Ganze.


Zwischen dem Schulkomplex und der Anlage der Lehrerhäuser komplettieren Sportfelder, wie der von den Studenten errichtete Basketballplatz und Gemüsegärten die Gesamtanlage. Sie dienen sowohl als Versuchsflächen im Rahmen des angebotenen Landwirtschaftsunterrichts der Schulausbildung, als auch für den Eigenanbau für Schüler und Lehrer. Ein kleines Werkstattgebäude soll zukünftig einer Tischlerei, Solarlampen- und Fahrradmanufaktur Raum bieten.

So wurde der Bauprozess als Gemeinschaftsprojekt gestaltet, erst vor Ort kann man die Menschen, ihre Lebensbedingungen und die Bautradition des Landes richtig kennen lernen – learning from the roots.

Die Realisierung wird voraussichtlich bis 2008/09 dauern.

Es entstand ein sehenswerter Film, der die Baumaßnahmen dokumentiert.

Einige Ausstellungen und Vorträge u.a. in der Galerie an der Finkenstraße (17.-02.12.06), an der TUM (26.07.- 05.08.07) und in der Architekturgalerie (19.11.07 ) und natürlich vor Ort zeigten die Arbeitsschritte und Planungen.

Über den aktuellen Stand informiert die Website des Lehrstuhls Raumkunst und Lichtgestaltung, TU München: http://www.lrl.ar.tum.de/

Ziel des Kooperationsprojekts ist es, mit der Förderung eines kulturellen und baukünstlerischen Projekts auch einen sozialen Beitrag zu leisten.

TUM, Donnerstagabendvorträge WS 2001/02

Themenreihe „Bildsprache – Raumbild – Sakrale Räume“

Der „Sakralbau“ steht im Mittelpunkt der Donnerstagabendvorträge im WS 2001/02, die der Lehrstuhl Raumkunst und Lichtgestaltung Prof. Hannelore Deubzer ( Konzeption Wiss.Ass. Barbara Schelle ) in Zusammenarbeit mit dem Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e. V. für die Fakultät für Architektur an der Technischen Universität München organisiert hat.

Ziel der Vortragsreihe war, es das Thema „Bildsprache - Raumbild - Sakrale Räume“ von unterschiedlichsten Positionen aus zu betrachten.

Deshalb wurde Architekten, Theologen, Kunsthistorikern, Philosophen und Künstlern Wort und Raum gegeben um eine interdisziplinäre Diskussion über Fragen des Verhältnisses von Bild und Raum anzuregen und die Auseinandersetzung zwischen verschiedenen inhaltlichen und architektonischen Raumauffassungen zu fördern.

Zum Auftakt sprach Friedrich Kurrent, em. Ordinarius am Lehrstuhl für Entwerfen, Raumgestaltung und Sakralbau, TU München über „Kirchen und Dergleichen“ – ein Werkbericht.

Eraldo Consolascio aus der Schweiz ging auf Bildsprache – Raumbild ebenfalls an Hand von eigenen Werken ein.

Prof. Dr. Dr. Horst Schwebel vom Institut für Kirchenbau und Kirchliche Kunst der Gegenwart an der Philipps – Universität in Marburg referierte über „Raum, Ritus und Religion“.

Heinz Tesar, Architekt, zeigte unter dem Titel „Kirchlichtraum“ eigene Arbeiten zum Kirchenbau, in denen das Licht den gestimmten Raum zu seiner Bestimmung führt.

Ben van Berkel als Vertreter der jungen Generation von Architekten stellte verschiedene Entwürfe und Raumsequenzen vor, in denen er den räumlichen Zusammenhang zwischen Innen und Außen, sowie von funktionalen Beziehungen entgegen der gängigen Bildsprache mit Hilfe von Raum - Zeit - Diagrammen  entwickelte.

Prof. Dr. Wolfgang Pehnt, bedeutender Architekturkritiker überschrieb seinen Vortrag frei nach einem Zitat von Rudolf Schwarz „ Nur Sonntag ist Kirchenbau – Tag“ mit dem Titel „6 Werktage und ein Feiertag – Rudolf Schwarz das Denken in Bildern und Freiheit des Raumes“. An Hand der Fronleichnamkirche in Aachen 1929/30 führt Prof. Pehnt in die Gedanken- und Bildwelt von Rudolf Schwarz ein. Bilder wie die „Werkhalle Gottes“, die weißen, durch Licht förmlich immaterialisierten Raumbegrenzungen von Wand und Decke, die im Gegensatz zu dem dunklen irdischen Boden das Bild der endlosen Prozession, des „Weges“ ins Jenseits versinnbildlichen, in dem die Rückwand nicht Ende sondern Schwelle bedeutet, begrenzen einen Raum, in dem die Bildlosigkeit gewissermaßen selbst zu einem Bild wird.

Und schließlich Frau Prof. Elisabeth von Samsonow von der Akademie der Bildenden Künste, Wien. Als Philosophin, Theologin und Künstlerin überschrieb sie ihren Vortrag „Herstellung eines Nabels – eine mnemotechnische Operation ausgeführt von einem Architekten“.

TUM, Sakralbauentwurf „3 Kapellen Wald – Fels – Flughafen“ WS 2002/03

Gastprofessor Heinz Tesar, Wien



I
m Rahmen der Förderung junger Architekten ermöglichte der Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e. V. Heinz Tesar für ein Semester als Gastprofessor an den Lehrstuhl für Raumkunst und Lichtgestaltung Univ. Prof. Hannelore Deubzer, Technische Universität München zu holen ( Koordination Wiss. Ass. Barbara Schelle ).

So gelang es, zusätzlich zu den legendären Vorlesungen von Frau Architektin Maria Schwarz zum „Sakralbau“, von denen die Studenten der TU München seit der Emeritierung von Prof. Kurrent 1996 profitieren, die liturgischen und architektonischen Bedingungen im Kirchenbau mit einem Entwurf zu stärken.

„Entwerfen“, sozusagen die Kür, ist das Herzstück ein jeder Architektenausbildung. Eine Förderung dieses Entwerfens unter Leitung eines hervorragenden Architekten und Lehrers, wie er in Heinz Tesar gefunden wurde, bedeutet ein breites Fundament zu legen, das die Entwicklung im Kirchenbau in die Zukunft trägt.

3 Kapellen an völlig unterschiedlichen Orten - Wald, Fels und Flughafen - zu entwerfen war die Aufgabe. Hierbei beginnt die Entwurfsarbeit mit der Suche und Beschreibung der im weiteren konkreten Orte. Wald Fels und Flughafen sind Stichworte um diese zu benennen. Ihre Beschreibung wird jedoch bei jedem eine andere sein.

Entweder das Bild eines erdachten oder aber eines gewählten realen Ortes ist dazu zu analysieren und zu dokumentieren - Topos. Die Kapelle ist ein Andachtsraum, ein Ort der Ruhe, ein Ort innerer Einkehr, ein Ort ritueller Handlungen, ein Ort der Meditation; ist einfach ein Raum, eine Raumfolge, Schwelle, Luftraum, Lichtraum - Typus.

„ Der Raum ist die Projektion des ich aus dem Reich der Freiheit ins Reich der Notwendigkeit“ (Andor Weininger)